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Holzwürmer und ihre Folgen

Eine alte Müllerweisheit sagt: “Wenn der Müller nicht arbeitet, arbeitet der Holzwurm!” In der Tat besteht in allen Mühlen die Gefahr, dass Holzteile vom Holzwurm befallen werden, vor allem, wenn die Maschinen stillstehen. So ist es kein Wunder, dass in unserer Mühle im Laufe der vielen Jahre, in denen die Mühle nicht mehr in Betrieb war, an einigen Teilen der Holzwurm sein Unwesen getrieben hat.

Befallen werden neben den Holzzähnen aus Hainbuche Teile aus Fichtenholz. Besonders marode war ausgerechnet ein wichtiges Transmissionsrad für die Kraftübertragung von der Hauptwelle auf die Transmissionswelle eine Ebene darüber. Es saß nicht mehr fest auf der Welle, drehte also durch, und konnte nicht mehr gespannt werden, weil das Holz zerbröselte.

Ein neues Transmissionsrad mit einem Durchmesser von einem Meter musste her, aber wer kann so etwas heutzutage noch bauen.

Wir fanden mit Georg Hinsenhofen einen pensionierten Tischler, der als Kind beobachtet hatte, wie sein Onkel solche Holzräder gebaut hatte. Und er sah die Aufgabe als Herausforderung, denn so ein Transmissionrad besteht aus sieben Schichten, die miteinander verleimt und vernagelt werden. Jede Schicht wiederum bestand aus 12 Kreissegmenten, die einzeln ausgesägt werden mussten, insgesamt also 84 gleiche Kreissegmente.

Und nach nur einer Woche kam er mit dem fertigen Rad in die Mühle, es passte auf Anhieb. Sein lapidarer Kommentar: “Hat Spass gemacht!”

So sind wir schon wieder einen wichtigen schritt weiter, denn demnächst können die Mischer, der Aufzug und eine Seite des Walzenstuhls über die Transmission angetrieben werden.

Zauberhafte Atmosphäre begeistert

Mit dieser Überschrift beginnt der Artikel in der WN vom 14.09.2020 über die erste Ausstellung in der Mühle Zumbülte. (Hier der Link zum WN-Artikel: https://www.wn.de/Muensterland/Kreis-Coesfeld/Nottuln/4271715-Tag-des-offenen-Denkmals-und-Kunstausstellung-Zauberhafte-Atmosphaere-begeistert )

In der Tat war die Ausstellung und die Öffnung der Mühle im Rahmen des Tags des Offenen Denkmals ein toller Erfolg. Trotz der notwendigen Einschränkungen durch die Corona-Schutzmaßnahmen konnten alle die besondere Atmosphäre genießen, die durch die Kunstwerke in diesem besonderen Raum entstanden war. Die Zahl der Besucher verteilte sich so gut über den Tag, dass alle genüged Zeit hatten, egal ob sie die Kunstwerke sich anschauen wollten oder die Fortschritte bei der Restaurierung der Mühle sehen wollten.

So waren die Künstler zufrieden, die ihre Werke vielen Menschen zeigen konnten, und auch das Mühlenteam, denen viele Besucher ihre Bewunderung über die in den letzten Monaten geleistete Arbeit deutlich zeigten.

Erste Kunstausstellung in der Mühle

Zum ersten Mal wird in der Mühle eine Kunstausstellung zu sehen. Die Gruppe “Kreativa” aus Coesfeld unter der Leitung von Marie-Luise Schwan wird Gemaälde und Skulpture aus Speckstein ausstellen.

Die Gruppe von Hobbykünstlern unter der Leitung von Marie-Luise Schwan besteht seit mehr als 20 Jahren. Die Mitglieder aus Coesfeld und den umliegenden Orten treffen sich jede Woche in zwei Gruppen, um zu malen und vor allem Speckstein zu bearbeiten und zu gestalten. Der relativ weiche Stein kann in der Regel mit Raspeln und Schleifpapier bearbeitet werden und bekommt damit sehr glatte Oberflächen. Gut angeleitet und mit langjähriger Erfahrung haben die Künstler aus diesem Stein sehr ausdrucksstarke, aber auch sehr individuelle Skulpturen geschaffen. Die ausgestellten Skulpturen und Gemälde werden in den Räumen der Mühle mit der technischen Einrichtung korrespondieren und ihre Wirkung entfalten.

Die Ausstellung wird am Samstag, 12.09.2020 um 14:00 Uhr eröffnet, am Denkmaltag während der Öffnungszeiten und zusätzlich auch am darauffolgenden Wochenende, Samstag, 19.09.2020 und Sonntag, 20.09.2020 jeweils von 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet sein.

Skulptur aus Speckstein
Eine der Spulpturen aus Speckstein, die in der Mühle ausgestellt werden

Tag des Offenen Denkmals

Seit mehreren Jahren wird die Mühle Zumbülte von einem Team ehrenamtlicher Helfer restauriert. Nach der Fertigstellung des neuen Mühlrades hat man im Inneren weiter gearbeitet und mehr geschafft als ursprünglich geplant.

Teile der Wände mussten verputzt werden, die Wände und Decken wurden neu angestrichen. Die Räume wirken jetzt deutlich heller und einladender.

 Damit die vielen Räder des Hauptantriebs sich wieder drehen können, haben drei Zahnräder ingesamt 250 neue Holzzähne bekommen, die einzeln angefertigt wurden. Es dauerte etliche Stunden, bis der komplizierte Antrieb der beiden Steinmahlgänge wieder gängig gemacht werden konnte. Jetzt können Besucher wieder den Ablauf des Kornmahlens nachvollziehen.

Leider musste in diesem Jahr der traditionelle Mühlentag am Pfingstmontag ausfallen, so dass sich den Mühlenfreunden keine Gelegenheit bot, der Öffentlichkeit die Fortschritte der Arbeiten zu zeigen.

Vom Kreis Coesfeld und der Gemeinde Nottuln wurde aber kürzlich darauf hingewiesen, dass man am diesjährigen Tag des offenen Denkmals unter Auflagen auch Gebäude für Besucher öffnen kann. Die Verantwortlichen der Mühle Zumbülte haben diese Anregung gerne aufgenommen. Am 13.09.2020, dem Tag des offenen Denkmals, wird die Mühle von 11:00 bis 17:00 Uhr für kleine Besuchergruppen geöffnet sein, damit Interessierte sich ein Bild davon machen können, was in den letzten Monaten geleistet wurde.

Gleichzeitig wird an diesem Wochenende zum ersten Mal in der Mühle eine kleine Kunstausstellung zu sehen sein. Mitglieder der Gruppe „Kreativa“ aus Coesfeld werden Skulpturen aus Speckstein und Gemälde zeigen.

Für die Ausstellung und für die Besichtigungen am Tag des offenen Denkmals werden die Coronaregeln für Museen gelten: Die Anzahl der gleichzeitig Anwesenden ist beschränkt, ein Mund-Nasenschutz wird notwendig sein. Die genauen Bedingungen werden einige Tage vorher noch einmal mit dem Ordnungsamt abgesprochen.

Kein Mühlentag am Pfingstmontag

Wegen der Coronakrise wurde landesweit der Mühlentag 2020, der eigentlich traditionell am Pfingstmontag stattfinden sollte, abgesagt.
Ob im Laufe des Jahres ein Ersatztermin gefunden werden kann, ist noch völlig offen.

Aus dem gleichen Grund können vorläufig auch keine Mühlenführungen angeboten werden.

Seltene Gäste

Am Donnerstag, 30.01.2020 kamen seltene Gäste zum Mühlenteich.
Zum ersten Mal seit vielen Jahren flogen mit lautem Geschrei große Vögel ein. Zunächst dachten wir, es seien Wildgänse, aber dann sahen wir, es waren drei Schwäne gelandet. Sie scheinen sich auf dem Teich wohlzufühlen, aber es wäre ungewöhnlich, wenn sie länger blieben.

Vermutlich sind sie auf der Suche nach einem Revier. Da sie zu dritt gemeinsam unterwegs sind, dachten wir zunächst, es könnten Geschwister sein, die das Revier der Eltern verlassen mussten und sich gemeinsam auf die Suche begeben habe.
Nach drei Tagen sind aber Rivaltäten unter den Dreien deutlich: zwei scheinen sich zusammengetan zu haben, attackieren den dritten Schwane und halten ihn auf Distanz. Möglicherweise sind es doch zwei Männchen und ein Weibchen, und ein Männchen hat jetzt das Nachsehen.
In den letzten 30 Jahren waren nur drei- oder viermal Schwäne für jeweils wenige Tage auf dem Mühlenteich zu Gast.

Seltene Gäste: Schwäne auf dem Mühlenteich, aufgenommen Ende Januar 2020

Update: Leider sind die Schwäne nach 6 Tagen wieder weitergeflogen.

Schriftstücke und Werbung aus alten Zeiten

Beim Aufräumen fanden sich kürzlich mehrere Ordner mit Rechnungen und Werbeschriften aus den 1950-er-Jahren. Es ist hochinteressant, darin zu stöbern.

Einige Beispiele:
Die Rechnung eines Bauunternehmens aus Nottuln, das im Jahr 1952 kleinere Arbeiten an Mühle und Haus erledigt hatten. Die Arbeiten wurden nicht einzeln in Rechnung gestellt, sondern am Ende des Jahres in einer Rechnung abgerechnet. Das machten übrigens zu der Zeit fast alle Handwerker.
Spannend sind vor allem zwei Beträge:
1 Sack Zement kostet damals 4,40 DM
1 Maurer-Arbeitsstunde wurde mit 2,50 DM abgerechnet, wobei der Maurer selbst natürlich noch deutlich weniger in der Stunde erhielt.

In der Jahresrechnung 1953 der Schmiede finden sich die unterschiedlichsten Arbeiten, u.a. musste das Pferd mehrmals beschlagen werden.

In den Ordnern fanden sich mehrere Werbeblätter für Mühlenbedarf, hier z.B. die Werbung für Sackkarren.

Aber auch Skurriles war zu finden, z.B. die Werbung für Pulver zur Bekämpfung von Ratten und Mäusen

Oder das Werbeschreiben für eine elektrische Appartur zur Bekämpfung von Ratten und Mäusen:

Die Steine laufen wieder!

Es war viel Arbeit, aber wir sind einen großen Schritt weiter:
Die neuen Holzzähne wurden eingebaut und verkeilt, die Antriebswellen der Mahlgänge in mühevoller Kleinarbeit wieder gängig gemacht.
Und als der Bach vor einigen Wochen nach der langen Trockenheit wieder genug Wasser führte, war es dann soweit. Wasser marsch und die Schütte hochgezogen und tatsächlich:
die beiden Antriebswellen und die Mahlsteine drehen sich wieder.

Hier einige Impressionen:

Schön werden soll’s auch noch

Natürlich möchten wir einzelne Maschinen der Mühle wieder gängig machen, aber auch das Aussehen der Ausstattung ist wichtig.

In einer Mühle entsteht während des Betriebs viel Staub. Dementsprechend mussten etliche Teile aus Holz zunächst einmal mit viel Wasser und Haushaltsreiniger vom Staub der Jahrzehnte befreit werden.
Ein Teil der Decke im Erdgeschoss wurde schon neu gestrichen.
Die Haustür aus Eiche soll auch wieder schön aussehen, dafür musste aber die Farbe entfernt werden, die an einigen Stellen ganz schön hartnäckig war.
Außerdem haben wir im Laufe des Jahres viele Metallteile entrostet und mit Rostschutz gestrichen.

Die Steine gar so schwer sie sind …

Den ganzen Sommer über hat das Mühlenteam fleißig gewerkelt. Jeder Dienstagmorgen war Mühlenarbeitstag. Dabei haben wir wirklich viel geschafft
Nachdem die neuen Holzähne (Kämme) eingesetzt waren, ging es an die Arbeit, die Mühlsteine der Mahlgänge wieder beweglich zu machen. Im Laufe der Jahre waren die Fette verharzt, so dass sich die senkrechten Wellen, die die Steine drehen, nicht mehr zu bewegen waren. Also musste viel Kriechöl das Fett wieder lösen.

Dann wurden die “Bütten”, die Umrandungen der Mahlgänge entfernt, um die Steine zu begutachten und zu reinigen. Mit den Steinkränen wurden die Bütten und die Läufersteine angehoben.

Ganz sicher waren wir nicht, ob der Steinkran den schweren Stein halten und anheben würde ohne zu zerbrechen. Schließlich wiegt so ein Stein mehr als eine Tonne. Der Kran ächzte sehr unter der Last, aber er hielt.
Der Stein des Schrotganges ist ein Kunststein, hergestellt in der Mühlsteinfabrik Bruens in Telgte. Leider konnten wir nicht das Herstellungsdatum feststellen.
Die Rillen im Stein sind noch sauber ausgeschlagen, man sagt dazu, der Stein ist noch gut geschärft.

Als nach vielem Säubern der Stein wieder auf das “Mühleisen” gelassen wurde, gab es eine Überraschung: Das System ist so gut gelagert, dass man den Stein an der Welle von Hand drehen kann.

Auch der zweite Stein wurde freigelegt und das ganze System gereinigt.

Der Stein des Weizen-Mahlgangs ist aus Basalt.

Inzwischen sind beide Mahlgänge wieder zusammengebaut. Jetzt warten wir nur darauf, dass der Nonnenbach nach dem trockenen Sommer wieder genügend Wasser führt. Dann werden sich die Mühlsteine nach langen Jahren des Stillstandes erstmals wieder drehen, angetrieben mit Wasserkraft.